BÉLA BARTÓK (1881–1945)
RUMÄNISCHE VOLKSTÄNZE (1917)

für Streichorchester bearbeitet von Arthur Willner (1881–1959)

Jocul cu bâtă (Stockspiel) / Brâul (Schärpentanz) / Pe loc (Auf der Stelle) / Buciumeana (Tanz aus Butschum) / Poarga Românească (Rumänische Polka) / Mărunțel (Schnell-Tanz)


In den Rumänischen Volkstänzen, deren Melodien in den Jahren 1910 und 1912 auf mehreren nach den Komitaten Bihar, Maros-Torda, Torda-Aranyos und Torontál führenden Reisen gesammelt und 1915 für Klavier bzw. 1917 für kleines Orchester bearbeitet wurden, machte Béla Bartók von einer Reihe kompositorischer Stilmittel Gebrauch, die sich unter den Begriffen dűvő und esztam zusammenfassen lassen. Sie halfen dem komponierenden Ethnografen dabei, jener Idee von Einfachheit, Reinheit und Authentizität Ausdruck zu verleihen, mit der er die Musik seiner ungarischen Heimat aus den eigenen volksmusikalischen Wurzeln heraus neu zu beleben versuchte.1

Der erste Tanz, Jocul cu bâtă genannt, stellt ein Stockspiel dar, das Bartók einst von zwei Roma-Musikern und einem flinkfüßigen Burschen im Dorf Voiniceni auf der Violine und dem Kontra vorgetragen wurde. (Letzteres in Transsylvanien weit verbreitete Instrument ermöglicht – dank seines abgeflachtem Stegs – das gleichzeitige Spiel aller Saiten, von denen es insgesamt drei besitzt und hier einen durchgehenden dűvő zum Besten gibt.) Grundlage für Brâul, ein Schärpentanz junger Tänzerinnen, sowie Pe loc mit seinen exotisch wirkenden Arabesken war das Spiel eines etwa 50-jährigen Mannes auf der Furulya, dem traditionellen Flöteninstrument der Schäfer.

Der vierte Tanz stammt aus dem Ort Bucium. Seine übermäßigen Sekunden gehören zum Standardrepertoire der Darstellung (fern)östlicher Folklore in der europäischen Kunstmusik. Poarga Românească (zu deutsch: rumänische Polka) besticht mittels durchgehender Wechsel zwischen 2/4- und 3/4 Takt. Zugleich bildet sie den Auftakt zu einem rasanten Finale, das in zwei Schnelltänzen oder Mărunțel seinen feurigen Ausgang findet.

1 Vgl. Joshua S. Walden: Sounding Authentic: The Rural Miniature and Musical Modernism. Oxford University Press: Oxford, New York u. a., 2014, Chapter Six: „Béla Bartóks Rural Miniatures and The Case of Romanian Folk Dances“, besonders S. 170-171.