Franz Joseph Haydn (1732–1809)
SINFONIE NR. 3 G-DUR HOB. I:3 (1761)


Allegro / Andante moderato / Menuet – Trio / Finale. Alla breve

Infolge seiner Ernennung zum Kapellmeister der Fürsten Esterházy, genauer gesagt zwischen Juni und Dezember 1761 waren nicht nur die sog. «Tageszeiten-Sinfonien» mit ihren Concerto grosso-ähnlichen Soloauftritten für die Stimmführer seines Orchesters, sondern vermutlich direkt zuvor auch je eine Sinfonie in D- bzw. G-Dur entstanden. Ein prägendes Moment der letzteren, Hob. I:3 ist ihre ungewöhnliche Konzentration kontrapunktischer Satzmodelle, die nicht nur in der Alla breve-Fuge am Ende der Komposition, sondern ausgehend vom Allegro mit seinem sogettoartigen Thema auch in den beiden mittleren Sätzen anzutreffen sind. Ein Grund hierfür dürfte Haydns Bemühen gewesen sein, seine Fähigkeiten auf dem Gebiet der polyphonen Stimmführung unter Beweis zu stellen, in der sich nicht zuletzt auch der ihm vorgesetzte Gregor Werner als eine gewisse Autorität verstand.
Wenn Haydn sich kontrapunktischer Formen bediente, so tat er dies meist im «freien Satz», in dem im Vergleich zum sog. Stile antico die Regeln von Dis- und Konsonanz in einer gelockerten, dem Geschmack des Tonsetzers und seines Publikums angepassten Weise befolgt werden. So gleicht etwa der ganztaktig voranschreitende Gang der Violinen und Oboen vom Beginn des Kopfsatzes, einem Cantus firmus, während das im Kanon der hohen und tiefe(re)n Streicher geführte Menuet seiner französischen Satzbezeichnung alle Ehre macht – erinnert es in puncto Melodieführung wie Klangfarbenkombination doch sehr an den Stil eines Jean-Philippe Rameau (1683-1764). So weit alles schön und gut. Zu einer durch und durch eigenständigen Hochform läuft der 29-jährige Haydn indes im Finale auf, welches dem Urteil James Websters zufolge als ein frühes Meisterwerk gelten dürfe, da es alles Vorangegangene «mit einer großartigen Synthese aus Fuge und Sonatenstil» übertrumpfe. Hervorhebenswert erscheint aber auch der dynamische Aufbau des Fugensatzes, dessen gesamte Exposition bis zum ersten Orchestertutti im Pianissimo gehalten ist, bevor es in einem Wechsel aus Forte- und Pianoblöcken und unter Beihilfe eines kurzen Orgelpunkts dem überaus wirkungsvollen Werkschluss entgegen geht.

1 James Webster: Hob.I:3 Symphonie in G-Dur. Informationstext zur Sinfonie Nr. 3 von Joseph Haydn im Rahmen des Projektes «Haydn 100&7» der Haydn-Festspiele Eisenstadt: http://www.haydn107.com/index.php?id=2&sym=3