Franz Joseph Haydn (1732–1809)
Einführung zum Motto


Das Projekt LAMENTATIONE geht auf die Idee zurück, ein musikalisches Programm zum diesjährigen Reformationsjubiläum beizutragen, welches dem übergeordneten Ziel unserer Konzertreihe folgend, wieder vornehmlich mit sinfonischen Werken aus der Feder des Komponisten Joseph Haydn bestückt sein sollte. Nun war letzterer, wie auch sein familiäres Umfeld mitnichten protestantischen Glaubens, sondern in einer Weise mit der katholischen Lebenswelt des habsburgischen Kaiserreichs verwurzelt, dass sich seine kompositorischen Hinterlassenschaften viel eher aus der Perspektive der päpstlichen Gegenreformation, als jener religionsgeschichtlichen Grundauferneuerung betrachten ließen, welche durch die Veröffentlichung der 95 Thesen des Dr. Martin Luther vor nunmehr einem halben Jahrtausend ins Leben gerufen wurde. Im Sinne des Friedens und der Verständigung zwischen den Religionen (wie auch den Konfessionen untereinander) gerieten alsbald jene sinfonischen Werke ins Blickfeld der Programmgestalter, bei denen sich Haydn auf motivisch-thematischer Ebene einem gemeinsamen musikalischen Erbe der katholischen wie auch der protestantischen Kirche, nämlich dem gregorianischen Choral widmete. Im besonderen Maße ist dies in einer Sinfonie in C-Dur von 1765, und ihrem um etwa drei Jahre jüngeren Schwesternwerk in d-Moll der Fall, welches uns freundlicherweise seinen Beinamen als Motto zur Verfügung gestellt hat.
Das mittlerweile 6. Opus im Rahmen von Haydn2032 lässt sich aber nicht nur vor dem hier angedeuteten „überkonfessionellen“ Hintergrund betrachten. In Verbindung mit L'HOMME DE GENIE, welchen es erstmals im Oktober 2016 zu erleben gab und die Begegnung Haydns mit Joseph Martin Kraus, einem der vergessenen Größen unter den Komponisten des späten 18. Jahrhunderts nachzeichnet, bildet es eine Art musikalisches Diptychon, in dem hier den genannten „Choralsinfonien“ Haydns die Bearbeitung des Orchestervorspiels zu Die Pilgrime auf Golgatha, einem Passionsoratorium von Johann Georg Albrechtsberger, durch den deutsch-schwedischen Hofkapellmeister gegenüber gestellt wird. Außerdem findet mit der Sinfonie Nr. 79, die im Herbst begonnene Vorstellung einer Triade Haydn'scher Sinfonien aus dem Jahr 1784 seinen Abschluss.