DOMENICO CIMAROSA (1749–1801)
IL MAESTRO DI CAPPELLA (1793?)

Szene für Bassbariton und Orchester von Christian Moritz-Bauer

Die Musik zur Komödie des Zerstreuten machte Karriere, wurde neben Eszterháza und Pressburg alsbald auch am Wiener Kärtnertor sowie im Salzburger Neuen Hoftheater mit einer für seine Zeit ausgesprochen ungewöhnlichen Medienresonanz zur Aufführung gebracht. Der Erfolg war also da und die Erwartung nach weiteren Schauspielmusiken aus der Feder Joseph Haydns entsprechend groß. So versteht es sich auch beinahe von selbst, dass die von Nikolaus I. unter Vertrag genommenen Schauspielgesellschaften es seit dieser Zeit nie mehr versäumten, in den alljährlich erscheinenden Theaterkalendern den esterházyschen Hofkapellmeister als ihren persönlichen »Musikdirekteur« anzuführen.

Unterdessen war selbigem vonseiten seines Dienstherren um etwa 1776 eine neue Hauptaufgabe angetragen worden. In diesem Jahr nämlich wurde auf Schloss Esterháza der regelmäßige Opernbetrieb aufgenommen, welcher sich alsbald bei einer Jahresproduktion von etwa 100 Vorstellungen einpendelte – wobei natürlich weiterhin auch Werke des Sprechtheaters wie Farsen, Lust- und Trauerspiele aber auch Ballette, Pantomimen, Marionettenopern, sowie von Zeit zu Zeit eine Orchesterakademie gegeben wurden und auf den fürstlichen Bühnen (bis auf die Karwoche und an hohen kirchlichen Feiertagen) somit beinahe alltäglich Programm war!

Der mit Abstand am häufigsten gespielte Opernkomponist auf Schloss Eszterháza war Domenico Cimarosa. Insgesamt zwölf seiner über 60 Bühnenwerke brachte Haydn in den Jahren 1780-90 zur Aufführung – ein Zeitraum, in welchem sich der zu Aversa bei Neapel Geborene anschickte einer der europaweit Erfolgreichsten seiner Zunft zu werden. Höhepunkt war dabei sicher die Anstellung am Sankt Petersburger Hof von Katharina der Großen, wo er von 1787-91 erstmals selbst den Kapellmeister geben durfte, ein Amt, welches er erst im Jahr zuvor in einer Farsa per musica, genannt L'impressario in angustie, so trefflich karrikiert hatte.

In diesem Kontext wäre auch jene in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts für das Konzertrepertoire wiederentdeckte Szene für Bassbariton und Orchester anzusiedeln, welche ihre Uraufführung möglicherweise am 2. Juli 1793 im Königlichen Nationaltheater zu Berlin durch den aus Mailand stammenden Sänger und Komponisten Antonio Bianchi erleben durfte: Il maestro di cappella.

Der etwa 20-minütige sängerische Alleingang stellt eine geistreiche Parodie dar, in der ein Kapellmeister „der alten Schule“ versucht, das Ensemblespiel seines Orchesters, bestehend aus Flöten, Oboen, Hörner und Streichern „auf Vordermann“ zu bringen. Zu seinem Leidwesen reagieren die Spieler aber äußerst undiszipliniert: Sie sind nicht bei der Sache, kommen mit falschen Einsätzen und zerstreiten sich auf musikalische Weise. In seiner Not versucht der Maestro – um nicht noch weiterhin den Clown zu geben – die einzelnen Stimmgruppen mittels lautmalerisch vorgesungener Passagen auf einander Acht zu geben und vor allem richtig zu zählen. Der Erfolg beschert im Recht und – ein harmonisches Lärmen!

Während des Versuchs seinen Musikern noch das nötige Feingefühl für ein »cantabile Allegro« näher zu bringen, muss er allerdings feststellen, dass das Spiel der Hörner seine Vorstellung von orchestraler Klangmischung nachhaltig ins Wanken bringt und beendet die Probe mit höflichem Getue.