Franz Joseph Haydn (1732–1809)
SINFONIE NR. 81 G-DUR HOB. I:81 (1763)


Vivace / Andante / Menuet. Allegretto – Trio / Finale. Allegro ma non troppo

«Die Verbindung von Unkompliziertem, Populärem und Artifiziellem gelingt Haydn nicht immer.»
(Michael Walter: Haydns Sinfonien. Ein musikalischer Werkführer. C. H. Beck: München, 2007, S. 84)

«[...]no surprising or dramatic gestures, little use of the minor mode, no overt displays of a learned style, and all of it […] accessible upon first hearing […] this work would be easily received by [an] elite group, who could concern themselves with going to concerts or private entertainments.»
(A. Peter Brown: The Symphonic Repertoire Vol. II: The First Golden Age of the Viennese Symphony: Haydn, Mozart, Beethoven and Schubert. Indiana University Press: Bloomington, 2002, S. 207)

«The whole work has the sleek elegance which [...] marks Haydn in the role of the Great Entertainer.»
(H.C. Robbins Landon: Haydn: Chronicle and Works, Vol. 2: Haydn at Eszterháza: 1766-1790. Thames and Hudson: London, 1978, S. 567)

«Es sind jetzt die Ausnahmefälle, wenn das Sonderbare und Exzentrische, das so häufig wie eh und je in seinem Werk auftritt, nicht [wie in der unterschätzten Symphonie Nr. 81] durch Lyrik verklärt wird.»
(Charles Rosen: Der klassische Stil. Haydn, Mozart, Beethoven. Bärenreiter: Kassel u.a. 1983, S. 175)

Wie aus den vorausgegangenen Zitaten ersichtlich, reichen die Meinungen hinsichtlich der G-Dur-Sinfonie Hob. I:81, ihrer kompositorischen Qualitäten, aber auch ihres auf das Schaffen Joseph Haydns bezogenen Stellenwerts, seit jeher weit auseinander.

An der Schwelle zwischen den sog. «Sturm und Drang-» bzw. den «Theatersinfonien» der späten 1760er und 1770er Jahre, sowie der Zeit der Pariser und Londoner Sinfonien stehend, bildete sie ursprünglich den Auftakt zu des Komponisten zweiter, sich an ein internationales Publikum wendenden Werkgruppe, innerhalb derer sie im März 1785 durch das Wiener Verlagshaus Artaria ihre Erstveröffentlichung erfuhr.

Was den Erfordernissen des Marktes entsprechend unterhaltsam und von den Musikausübenden in nah und fern ohne besondere Schwierigkeiten wiederzugeben sein sollte, musste mit den an sich selbst gestellten und über Jahre hinweg gewachsenen Ansprüchen in Übereinstimmung gebracht werden, welch eine Herausforderung! Und genau dieser versucht Haydn hier mit überraschend neuartig, ja mitunter sogar regelwidrig angeordneten Kompositionselementen zu begegnen.
Als ein besonders beliebtes Spielfeld bietet sich natürlich die Werkeröffnung an, für die sich der Komponist im vorliegenden Falle einen Schachzug von geradezu genialer Simplizität hatte einfallen lassen: Aus einem kraftvollen Tutti-Schlag, von dem bald nichts als der Rest einer Schallwelle zurückbleibt, schält sich ein in seiner Fragilität geradezu mysteriös erscheinender Trommelbass der Violoncelli heraus, zu dessen leise pochenden Tonrepetitionen auf g sich ein darüber geschichtetes f der zweiten sowie ein den harmonischen Bezugspunkt weiter verschleierndes Vorhaltsmotiv der ersten Violinen gesellt. Als letztere dann doch noch den klärenden Leitton ausspielen und mittels sanft ausschwingender Achtelbewegung wieder Bodenkontakt gewinnen, rutscht der gesamte Streicherapparat ganz unvermutet ins dominantische D-Dur ab. Ein klassischer Fehlstart? also: Kommando zurück, zweiter Versuch.
Ob es der vorgezogene Einsatz der Violen war, der dem locker gefügten Kaleidoskop an Motiven die nötige Stabilität verschaffte? Was zählt ist der Erfolg – und genau diesen verspricht ein von kräftigen rhythmischen Konturen akzentuierter Forteblock, der gegen Ende der nächsten Periode auf einem von Tuttiakkorden gestützten harmonischen Grundgerüst erscheint, das auch ein neuer, von Achtelpausen und chromatischem Melodieverlauf geprägter thematischer Grundgedanke für sich zu nutzen weiß.
Spätestens hier bewegt unser Meister sich dort, wohin ihm sein damaliges Zielpublikum wohl gerade noch zu folgen vermochte und kann es somit wagen, sein altbekanntes Verwirrspiel von Neuem zu beginnen. Zu guter Letzt wird sie, die Zuhörerschaft, aber dennoch erhört und mit einer vollständigen Wiedergabe des Anfangsthemas versöhnt, die in einer schlichten Schlusskadenz mündet.
Der angeklungenen freundlich-gelassenen Stimmung darf sich das Publikum aber auch im anschließenden Andante, einem Siciliano-Thema mit drei darauf folgenden Variationen erfreuen, aus dem an zentraler Stelle ein kontrastreich dazwischen geschaltetenes, dorisch notiertes Interludium hervorsticht.
Nach einem Menuett von rustikaler Natur und einem Fagottsolo-lastigen Trio mit exotisch anmutender Mollwendung, hält der Finalsatz mit denkbar vielgestaltigen rhythmischen Impulsen Einzug. Dabei zeigt sich das Allegro nicht nur im Tonfall, dem eher die Position des Kopf- als diejenige des Schlusssatzes gebührend erschiene, sondern auch des entschleunigten Tempozusatzes (ma non troppo) wegen, als durchaus erwartungsenttäuschend. Ein Gutes hat das Haydn'sche Vexierspiel aber doch: die Gefahr, den monothematischen Melodieverlauf mit all seinen Stimmüberkreuzungen, motivischen Abwandlungen und wechselnden Akzentsetzungen aus dem Auge zu verlieren oder mit Ohr und Verstand nicht mehr folgen zu können ist deutlich gesunken!