Franz Joseph Haydn (1732–1809)
Einleitung zum Thema


Von 1769 bis zum Tode Fürst Nikolaus I. Eszterházy wurden alljährlich sog. Wandertruppen, unter der Direktion eines (in einem Falle auch zweier) Prinzipale (ital. „Impresari“) stehende Schauspielgesellschaften für jeweils eine Theaterspielzeit auf dessen berühmte südöstlich des Neusiedler Sees gelegene Sommerresidenz Schloss Eszterháza verpflichtet, wobei die Verträge je nach Zufriedenheit des Fürsten um ein oder mehrere Jahre verlängert werden konnten. In den ersten Jahren dauerte eine solche Spielzeit in der Regel von Anfang Mai bis Mitte oder Ende Oktober. Ab 1776 – als zu den Sprechtheater-, Ballett- und Singspielaufführungen der Theatertruppen ein mit dem fürstlichen Sängerpersonal besetzter regelmäßiger Repertoirebetrieb mit Werken der italienischen Oper hinzu kam – wurde dieser Zeitraum auf Februar bis November ausgedehnt. (Hinzu trat freilich noch der 1773 eingerichtete Betrieb der fürstlichen Marionettenoper, der allerdings nur bis 1783 Bestand hatte.)

Neben div. Details zur Zusammensetzung der Theatertruppen, den Aufführungsmodalitäten („alltäglich zur Ihme [Sr. Hochfürstl. Durchl.] bestimten Stund eine Comedie nach Innhalt der dießfalls von ihme Hn Impressario eingegebenen Instanz aufzuführen, und die erforderliche Kleider wie auch Comedien selbst beyzuschaffen ...“), der Gage und Unterbringung der Schauspieler, wurde festgelegt, dass „[d]ie Musique zu denen Proben deren Comedien oder Pantomimen, dann die Beleuchtung, Decorationen, und kleine erfordernussen des Theaters […] auf Hochfürstl. Unkösten bestritten [werden solle]“. Dies hatte zur Folge, dass die musikalische Ausstattung der Komödien, welche in der Regel aus einer Ouvertüre, einer von den Akten der Stücke abhängigen Zahl an Zwischenspielen und einer Schlusssinfonie bestand, zur Angelegenheit der fürstlichen Hofkapelle und ihres Kapellmeisters Joseph Haydn wurde.

Wie aber haben wir uns den Komödienbetrieb, dessen architektonischen Rahmen das prächtige Opernhaus, gelegentlich aber auch das vis-vis im Bereich der Schlossbauten befindliche Marionettentheater bildete von seiner musikalisch umrahmenden Seite vorzustellen? Wie im Theaterwesen der Zeit weithin üblich, dürfte es sich auch bei der auf Eszterháza erklingenden „Musik zwischen den Akten“ meist nicht um eine zu den aufgeführten Dramen ursprünglich geschriebene, geschweige denn um eine von Haydn eigens hinzu komponierte gehandelt haben. Und doch scheint er als musikalischer Direktor, insbesondere zu bestimmten herausragenden Anlässen – etwa wenn ein hoher Besuch ins fürstliche Haus stand – von seinem Dienstherrn hin und wieder den Auftrag erhalten haben, der gesprochenen (mitunter auch getanzten) Bühnengeschehnisse eine originale bzw. „dramengebundene“ Musik beizusteuern.