Haydn2032


Die Joseph Haydn Stiftung Basel organisiert, produziert und finanziert mit dem Projekt Haydn2032 zu Joseph Haydns 300. Geburtstag in 2032 die Aufführung und Aufnahme aller 107 Sinfonien des Komponisten mit den Orchestern Il Giardino Armonico und kammerorchesterbasel unter der künstlerischen Leitung von Giovanni Antonini, einem der angesehensten Spezialisten für barocke, frühklassische und klassische Musik.
Beginnend im Herbst 2014, soll bis 2032 Haydns komplettes Sinfonien-Werk in 19 Konzertsaisons mit zwei Projekten im Jahr aufgeführt und aufgenommen werden.
Als Residenzstädte konnten bereits Basel, Zürich und Eisenstadt gewonnen werden. Mit dem Radialsystem V in Berlin gelang es zudem, einen der innovativsten und experimentierfreudigsten Veranstaltungsorte in Deutschland als langfristigen Partner zu akquirieren. Für die zu jedem Projekt eingespielte Aufnahme fungiert die französische Gruppe outhere music als Kooperationspartner. Begleitend erscheint eine von der Joseph Haydn Stiftung herausgegebene luxuriöse und limitierte Sammleredition in Buchform mit Texten und Fotos zeitgenössischer Künstler. Die renommierte Fotoagentur Magnum Photos begleitet das Projekt mit wechselnden Fotografen, die zu jedem Themenkomplex einen Bilderzyklus beisteuern.


Auf den Spuren Joseph Haydns


Die letzten Gesamteinspielungen der Sinfonien Haydns liegen viele Jahre zurück. Ferner existiert bis heute keine Gesamteinspielung der Sinfonien auf historischen Instrumenten. Es gibt auch keinen Zyklus, welcher den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis während der letzten 30 Jahre vollumfänglich Rechnung trägt.
Haydn2032 soll eine Spurensuche initiieren, die Haydn einerseits als grossen Musiker und Sinfoniker wieder aufleben lässt und ihn andererseits in den zeitgenössischen Musik- und Kulturdiskurs einbezieht.
Haydn ist im vergangenen Jahrhundert nie die Beatlemania zu Ehren (oder zu Unehren?) geworden, wie einigen seiner Zeitgenossen.
Warum nun Haydn nicht in dem Ausmass wie Mozart und Beethoven von der Massen- und Popkultur rezipiert wurde – darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht war es das riesige, nahezu unüberschaubare œuvre Haydns. Es umfasst immerhin unter anderem (!) 107 Sinfonien, 83 Streichquartette, 50 Klaviersonaten, 50 Solokonzerte, 3 Oratorien und 24 Opern. Vielleicht war es die fehlende große Tragödie in Haydns Leben.
Vielleicht war es aber auch vor allem die gewisse Subtilität von Haydns Musik, die sich nicht auf Anhieb offenbart, sondern sich nur langsam entfaltet oder wie Simon Rattle es formuliert: «Bei Haydn gehen die Raketen langsamer ab» (Die Welt, Interview 11.10.11).
Haydns Musik ist weniger von äußerlicher Dramatik und brutalem Mitteilungsbedürfnis, als von einer filigranen, in sich verzweigten Entfaltung bestimmt. Es fehlt ihr an Wagnerscher Qual. Vielleicht ist der Feinsinn in Haydns Musik, diese Einfachheit, mit wenigen Noten eine überirdische Schönheit ausdrücken zu können, für viele nicht beim ersten Mal des Hörens zu erleben.


Kaleidoskop menschlicher Gefühlswelten


Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit, Freude, Verzweiflung - dies sind zeitlose, weltumspannende Massenphänomene. Giovanni Antonini sieht in Haydns Sinfonien nicht zuletzt eine (musikalische) Studie des menschlichen Lebens, die ihn dazu bewogen hat, die programmatischen Erarbeitungen der Sinfonien nicht chronologisch sondern thematisch vorzunehmen.
Mit seiner forschenden und hinterfragenden Herangehensweise wird Antonini das ganze Kaleidoskop menschlicher Gefühlswelten, das in Haydns Musik auf einmalige Weise erfasst ist, unmittelbar erlebbar machen.
Die Sinfonien sollen in ihrer programmatischen Anordnung um Themenbereiche kreisen, sodass sich die einzelnen Projekte als emotionale Mosaiksteine verstehen, die sich in ihrer Gesamtheit zu den vielfältigen Facetten des menschlichen Lebens zusammenfügen sollen. Die thematische Ordnung soll den Rezipienten ferner als Kompass durch die 107 Sinfonien dienen und den weniger geschulten Ohren als Anker für ein tieferes Verständnis und für eine leichtere emotionale Identifikation mit den Werken. Die einzelnen Projektthemen sollen wie emotionale Momentaufnahmen den oft abschreckenden Umfang von Haydns œuvre relativieren.
Das Werk Haydns wird in den Zyklen durch Werke von Haydns Zeitgenossen durchmengt. Auf diese Weise sollen seine Sinfonien im Kontext des musikhistorischen und geschichtlichen Umfeldes dargestellt werden. So werden Komponisten wie Gluck, Porpora, C.Ph.E. Bach, Mozart, Beethoven, Michael Haydn, Stamitz, Pleyel, Salieri u.a. bei Aufnahmen und Konzertzyklen ebenfalls eine Rolle spielen.
Giovanni Antonini stellt sich beim Musizieren vollumfänglich in den Dienst des Komponisten. Er überlässt bei der Erforschung der musikalischen Quellen und der harmonischen Zusammenhänge nichts dem Zufall, zeigt deren Funktion und Auswirkung zum Spannungsaufbau und -abbau und zur Entwicklung einer musikalischen Linie in geradezu radikaler Weise und schonungslos auf, was zu fesselnden Hörerlebnissen führen kann.
Seine Begabung, ein Reich an Spannungsfeldern, an feinen harmonisch-musikalischen Facetten aufzubauen und die Musik durch eine organisch-rhythmische Pulsation zu führen, ist einzigartig.


Neue Ausdrucksmöglichkeiten für Haydn


Die fehlende bzw. unzureichende musikalische und gesellschaftliche Rezeption von Haydns Werk sieht das Projekt Haydn 2032 als Chance, Haydn in unserer Zeit eine Stimme zu geben, bzw. seiner (musikalischen) Stimme Gehör zu verschaffen. Neben der Gesamtaufnahme der Sinfonien, sollen in anderen künstlerischen Disziplinen wie Fotografie und Literatur neue Ausdrucksmöglichkeiten für das Phänomen Haydn und sein Werk gesucht werden. Ferner sollen diese Disziplinen durch ihre Auseinandersetzung mit Haydn als Katalysator dienen, um Haydn in unterschiedlichen kulturellen Diskursen zu verankern.
Im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit der renommierten Fotoagentur Magnum Photos sollen die besten Fotografen unserer Zeit zu jedem Projekt Fotoreihen produzieren, die sowohl von Haydns Musik als auch von dem jeweiligen Projektthema inspiriert sein sollen. Es ist ferner das Ziel mit zeitgenössischen Schriftstellern zu arbeiten, die in Form von kurzen literarischen Visionen über Haydns Bedeutung in unserer Zeit sinnieren.


Haydn in 2032 – Ziele des Projekts


Ziel des Projekts ist es, eine spektakuläre Neueinspielung von Haydns Sinfonien vorzulegen und diese mit anderen Disziplinen intermedial zu verknüpfen, um so das Entstehen von neuen Synergien zu fördern, die eine Sogwirkung auf Musikliebhaber aber auch Musiker, Dirigenten, Konzertveranstalter und Orchester weltweit entwickeln.
Die Aufnahmen und die Konzerte sollen eine Begeisterung für die Musik auslösen, und die Bedeutung der Sinfonien Haydns für die musikhistorische Entwicklung soll einem breiten Publikum näher gebracht werden.